Bar Babette

cosmetic reaction
with: Jessica Tille, Milena Zara, Sound-Collage: Vivian Koch + DJ Set: Liam Mockridge

8 pm

„Der Glaskubus der Bar Babette umschloss in der DDR einen Raum, in dem Frauenbilder reproduziert und Vorstellungen konstruiert wurden. Heute Bar und Ausstellungsraum als Glass Cube statt White Cube, transparent und nackt ohne Wand-Make-Up. Hüllen, Körper, Hautoberflächen wurden mit neuen Schichten von Konnotationen aufgeladen, so wie Papieroberflächen fotografisch mit neuen Realitäten überzogen werden. Bezugnehmend auf diese tief temporär im Raum verborgene Bedeutungsschicht durchdringt Cosmetic Reaction die Materialität und die Verwandtschaften des Fotografisch-Kosmetischen.
Die Produktion von ideellen und materiellen Bildern findet auf einer Analogie von Haut und Papier als Projektionsflächen für Kosmetik und Fotografie statt. Der Filter, dessen Materialität und die Frage nach dem Eingriff in die Wahrnehmung ist dabei der Verknüpfungspunkt dieser Oberflächen. Das Make Up, der Filter ist eine neue Schichtung, eine Reaktion auf einer Oberfläche. Sie kann lediglich überlagern oder den Grund, den sie benetzt, infiltrieren. Durch Filtervorgänge werden Ein- und Ausschlussmechanismen des Visuellen bewirkt. Die eigentliche Bedeutung im Vorgang des Filterns ist das Herausnehmen, meist wird jedoch eine neue Schicht hinzugefügt. Was passiert, wenn der Filter selbst zum Bild wird? Die manuelle Bearbeitung von Bildern durch Chemikalien wird heute durch scheinbar immaterielle Filter ersetzt - virtuelle Chemikalien, die sich über Bildwelten ergießen. Der digitale Foto-Filter hängt mit seinem physischen Korrelat nicht mehr zusammen. Er breitet sich nicht materiell auf dem Körper oder dem Raum aus, sondern auf der Zweidimensionalität des Screens. Weder flüssig noch fest, Aggregatzustände werden obsolet. Diese Immateriellen Filter durchlaufen dabei jedoch auch materielle Kreisläufe - Grafikkarten, Chips, Festplatten. Zum Filtern auf Haut, Papier und Screen schließen sich hier Materialien im Kreis zusammen - Photoshop-Ebenen, Licht, UV-Strahlen und Fotoemulsion.“

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