Kosmetiksalon Babette

Kultur ohne Happy End! – Die Babette verliert ihren Kosmetiksalon

Der Mietvertrag der Bar „Kosmetiksalon Babette“ Berlin läuft aus und wird nicht verlängert. Zum 30.09.2018 - in einem Jahr - endet das Mietverhältnis.

Die Bar in der Karl-Marx-Allee 36 ist nicht einfach nur eine Bar. Sie hat sich in den letzten 14 Jahren zu einem kulturellen Ort entwickelt. Ein Ort, der von seinen Gästen mitgestaltet wurde. In den letzten 14 Jahren fanden ca. 190 Ausstellungen moderner KünstlerInnen statt. MusikerInnen aller Genres, AutorInnen und SchauspielerInnen - ob Film oder Theater - hatten einen Raum für Veranstaltungen. Ob Konzerte, Lesungen, Buchvorstellungen, Hörspiele, Fashionshows, Hochzeiten, Geburtstage, Sportveranstaltungen oder die Party der freiwilligen Feuerwehr: Die Bar ist ein öffentlicher Ort, die ihre Türen für jede Art von Veranstaltung öffnet. Und wenn es mal keine Veranstaltung ist, sind es die Besucher der Bar, die sich aus beinahe allen Bezirken Berlins zusammenfinden. Besonders in der Nachbarschaft gilt die Bar als ein beliebter Ort. Beliebt deshalb, weil sie beständig ist, für jeden etwas bietet und einen höflichen, freundlichen und besonderen Umgang pflegt. Die Bar ist bunt, lebendig und fantastisch verrückt. Genau wie ihre Gäste.

Nach 14 Jahren hat nun die Nicolas Berggruen Holdings GmbH beschlossen, den Mietvertrag nicht zu verlängern und den Pavillion ab Oktober 2018 dem Café Moskau und deren BetreiberInnen an die Seite zu stellen. Kommentarlos wurde uns dieser Beschluss, der in Verhandlungen ohne unserer Anwesenheit gefasst wurde, mitgeteilt. Nicolas Berggruen Holdings GmbH zeigte sich zu keinem Zeitpunkt bereit, mit uns in Vertragsverhandlungen zu treten. Es wurde kein Interesse bekundet und es gab und gibt keine Gesprächsbereitschaft.

„Unser Ziel ist der Aufbau eines vielfältigen Immobilienportfolios, mit charaktervollen Bauten, als langfristige Vermögensanlage. Immobilien sind für uns dabei mehr als nur ein Investment. Architektur, Ästhetik und Kunst interessieren uns ebenso wie der ‚Cashflow’.“

(Quelle: Zitat aus der Unternehmensbeschreibung von der Website der Holding. www.berggruenholdings.de)

14 Jahre lang wurde die Bar mit gelebtem Idealismus, Enthusiasmus und vor allem mit Freude und Spaß betrieben. 14 Jahre gelebte Demokratie für jeden der mochte. Raum für Kunst! Raum für Musik! Raum für Kultur! Raum für legendäre Partys!

Nicht nur 18 MitarbeiterInnen verlieren ihre Arbeit. Die Karl-Marx-Allee verliert eine öffentliche Institution.

Obwohl im März 2017 vom Senat und der WBM ein Konzept vorgelegt wurde, die Karl-Marx-Allee mit neuen Pavillions mehr zu beleben, entscheidet man an anderer Stelle sie zu entleben. Die Karl-Marx-Allee soll zum UNESCO Weltkulturerbe erhoben werden. Anstatt einen kulturellen Ort weiterhin zu unterstützen, entscheidet sich die Nicolas Berggruen Holdings GmbH für eine privatisierte und „langfristige Vermögensanlage“.

Jetzt sind nicht nur wir gefragt. Wir ermutigen nicht nur die Politik dazu sich zu positionieren. Privatinvestroren haben eine öffentliche Verantwortung.

Der Pavillion ist ein historisches Gebäude. Ein historisches Gebäude, das für jeden zugänglich ist, öffentlich ist, Teil des Berliner kulturellen Geschehens ist. Wie oft wird an unsere Scheibe geklopft, weil die Menschen vergebens einen Eingang zum legendären Café Moskau suchen um enttäuscht zu erfahren, dass das ehemalige Café Moskau für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Außer für diejenigen, die das nötige Kleingeld aufbringen.

Spätestens in einem Jahr wird dem Kosmetiksalon Babette (Originalname der Location) das gleiche Schicksal ereilen. Doch dann wird niemand da sein, der eine Auskunft geben kann. Hinter der Scheibe ist es dann leer. Vielleicht verdecken sogar lange Gardinen die Sicht.

Wir bedauern den Entschluss der Nicolas Berggruen Holdings GmbH zutiefst. Sehr gerne hätten wir die Bar weiter betrieben. Mit Respekt gegenüber der Geschichte des Baus und seiner Architektur. Mit Respekt den AnwohnerInnen gegenüber. Für die BerlinerInnen. Für die Kunst und für eine offene Gesellschaft, die Orte mitgestaltet.

Wir bedanken uns für tolle 14 Jahre Kunst und Kulturgeschichte, die wir gemeinsam geschrieben haben. Und nur deshalb: Wir freuen uns auf ein gigantisches und fulminantes letztes Jahr mit Euch zusammen.

Danke! Euer Babette Team

Kultur ohne Happy End! – Die Babette verliert ihren Kosmetiksalon